Ein Ziel verändert die Art, wie wir üben.
Ziele: Wer Gitarre lernt, kennt vielleicht diese Situation: Man nimmt sich vor, regelmäßig zu üben. Vielleicht sogar jeden Tag. Aber nach einigen Tagen fehlt die Motivation, der Alltag kommt dazwischen, und plötzlich liegt die Gitarre wieder ein paar Tage unberührt im Zimmer.
Ganz anders ist es, wenn ein konkretes Ziel vor einem liegt.
Zum Beispiel ein Konzert, ein Gitarrenvorspiel, ein Wettbewerb oder ein gemeinsames Musizieren mit anderen – und vor allem: ein festes Datum.
Plötzlich bekommt das Üben einen Sinn.
Ein Datum verändert alles
„Ich möchte dieses Stück irgendwann können“ ist ein schönes Vorhaben.
Aber:
„Am 15. November spiele ich dieses Stück bei unserem Gitarrenvorspiel vor Publikum.“
Das ist etwas ganz anderes.
Jetzt gibt es einen Zeitpunkt. Eine Herausforderung. Eine Situation, auf die man sich vorbereitet.
Man weiß:
An diesem Tag möchte ich zeigen, was ich gelernt habe.
Und genau das kann eine enorme Motivation sein.
Man übt konzentrierter. Man hört genauer hin. Schwierige Stellen werden nicht mehr einfach übersprungen. Man wiederholt einen Übergang vielleicht zehnmal, zwanzigmal oder noch öfter, bis er wirklich funktioniert.
Das Ziel sorgt dafür, dass aus einem guten Vorsatz eine konkrete Handlung wird.
Das Ziel ist mehr als das Konzert
Interessant ist aber, was danach passiert.
Das eigentliche Ziel – beispielsweise das Konzert – ist nämlich nur ein Teil des Prozesses.
Es beginnt schon Wochen vorher mit dem Üben.
Dann kommt der große Tag.
Man sitzt mit seiner Gitarre vor anderen Menschen.
Vielleicht ist man aufgeregt. Vielleicht zittern die Hände ein wenig. Vielleicht schlägt das Herz schneller als sonst.
Und dann beginnt die Musik.
Man erlebt plötzlich etwas, was beim Üben allein im eigenen Zimmer nicht möglich ist:
Kommunikation.
Musik wird zu einer Sprache.
Der Spieler gibt etwas an das Publikum weiter – eine Melodie, einen Rhythmus, eine Stimmung, vielleicht sogar eine persönliche Geschichte.
Und das Publikum reagiert.
Durch Aufmerksamkeit.
Durch Stille.
Durch ein Lächeln.
Durch Applaus.
Vielleicht gibt es anschließend ein persönliches Lob oder eine besondere Rückmeldung.
Und manchmal gibt es sogar eine Ehrung, eine Urkunde oder einen kleinen Preis.
All das sind Erfahrungen, die weit über das Erlernen eines einzelnen Gitarrenstücks hinausgehen.
Aus einem Erlebnis entsteht neue Motivation
Genau hier schließt sich der Kreis.
Man hat ein Ziel gehabt.
Man hat dafür gearbeitet.
Man hat etwas erlebt.
Man hat Gefühle erlebt – vielleicht Aufregung, Freude, Stolz oder auch Erleichterung.
Man hat vor anderen Menschen gespielt.
Man hat Rückmeldungen bekommen.
Und plötzlich denkt man:
„Das möchte ich wieder erleben.“
Das nächste Ziel entsteht fast von selbst.
Vielleicht ein neues Konzert.
Vielleicht ein schwierigeres Stück.
Vielleicht ein Duett.
Vielleicht ein Wettbewerb.
Vielleicht möchte man beim nächsten Vorspiel ein Stück spielen, das noch anspruchsvoller ist.
So entsteht eine Art Motivationskreislauf:
Ziel → Üben → Vorbereitung → Auftritt → Erlebnis → Rückmeldung → Freude und Stolz → neue Motivation → neues Ziel
Und genau dieser Kreislauf kann einen Gitarrenschüler über Jahre begleiten.
Ziele müssen nicht immer groß sein
Dabei muss ein Ziel keineswegs immer ein großes Konzert sein.
Im Gegenteil: Gerade beim Gitarrelernen sind kleine, erreichbare Ziele sehr wertvoll.
Zum Beispiel:
Ziel für die nächste Woche
- einen bestimmten Akkordwechsel sicher spielen
- eine schwierige Stelle ohne Unterbrechung schaffen
- ein Stück auswendig spielen
- täglich zehn Minuten konzentriert üben
Ziel für einen Monat
- ein neues Stück vollständig lernen
- ein kleines Duett vorbereiten
- ein Stück vor den Eltern vorspielen
- eine bestimmte technische Fähigkeit verbessern
Ziel für ein halbes Jahr
- bei einem Gitarrenvorspiel auftreten
- mehrere Stücke zu einem kleinen Programm zusammenstellen
- ein anspruchsvolleres Werk erarbeiten
- gemeinsam mit einem anderen Schüler musizieren
Ziel für ein Jahr
- ein Konzertprogramm aufbauen
- an einem Wettbewerb teilnehmen
- ein bestimmtes musikalisches Niveau erreichen
- mehrere Stücke auswendig spielen
- vielleicht sogar selbst ein kleines Konzert mitgestalten
Das Entscheidende ist nicht die Größe des Ziels.
Das Ziel muss für den Schüler bedeutsam sein.
Auch langfristige Ziele sind wichtig
Neben den kleinen Zielen kann es interessant sein, sich einmal zu fragen:
Wo möchte ich in einem Jahr mit meiner Gitarre stehen?
Vielleicht möchte ein Kind in einem Jahr zehn Stücke spielen können.
Ein anderer Schüler möchte endlich Barré-Akkorde beherrschen.
Jemand anderes möchte gerne vor Publikum auftreten.
Und wieder jemand möchte einfach so gut werden, dass er seine Lieblingsmusik selbst spielen kann.
Auch für Erwachsene ist diese Frage interessant:
Was möchte ich in einem Jahr auf der Gitarre können, was ich heute noch nicht kann?
Aus dieser Frage kann ein persönlicher musikalischer Weg entstehen.
Ziele geben dem Üben eine Richtung
Natürlich kann man auch ohne Ziel Gitarre spielen.
Man kann sich die Gitarre nehmen, wenn man Lust dazu hat, ein bisschen spielen und einfach Freude an der Musik haben.
Das ist wunderbar.
Aber regelmäßiges Üben und musikalische Entwicklung werden häufig leichter, wenn es eine Richtung gibt.
Ein Ziel beantwortet die Frage:
Warum übe ich gerade?
Wenn ein Konzert in sechs Wochen bevorsteht, bekommt jede Übungseinheit plötzlich eine Bedeutung.
Diese zehn Minuten heute sind nicht einfach zehn Minuten Gitarrenspiel.
Sie sind ein kleiner Schritt auf dem Weg zum Konzert.
Und genau das kann den Unterschied machen.
Der Auftritt ist nicht das Ende
Vielleicht ist das Wichtigste dabei:
Ein Auftritt ist nicht das Ende des Lernens.
Er ist ein Höhepunkt – und gleichzeitig ein neuer Anfang.
Nach einem Konzert weiß man mehr über sich selbst.
Was hat gut funktioniert?
Wo war ich nervös?
Welche Stelle möchte ich beim nächsten Mal besser spielen?
Wie hat das Publikum reagiert?
Was hat mir besonders viel Freude gemacht?
Und vielleicht entsteht daraus schon das nächste Ziel.
Ein neues Stück.
Ein neues Konzert.
Eine neue Herausforderung.
So wächst man als Musiker nicht nur durch das Üben, sondern durch die Erfahrungen, die das Üben ermöglicht.
Ziele machen Musik lebendig
Gitarrelernen besteht nicht nur aus Noten, Technik und Wiederholungen.
Es geht darum, Musik zu erleben.
Ein Ziel kann dabei eine Brücke bauen:
vom Übungszimmer zur Bühne,
vom Alleinspielen zum gemeinsamen Musizieren,
vom Üben zum Erlebnis.
Und vielleicht ist genau das einer der schönsten Aspekte des Musikunterrichts:
Ein Schüler arbeitet über Wochen an einem Stück. Dann kommt der Moment, in dem er es vor anderen Menschen spielt.
Die Musik verlässt das Übungszimmer.
Sie wird hörbar.
Sie erreicht andere Menschen.
Und aus diesem Augenblick kann etwas entstehen, das kein Lehrbuch vermitteln kann:
Freude, Selbstvertrauen, Stolz und die Lust, weiterzumachen.
Deshalb sind Ziele beim Gitarrelernen so wertvoll.
Nicht weil man ständig etwas leisten muss.
Sondern weil ein gutes Ziel einem musikalischen Weg Richtung, Spannung und einen besonderen Moment gibt.
Und wenn dieser Moment erlebt wurde, darf bereits die nächste Frage gestellt werden:
Was möchte ich als Nächstes erreichen?
Du kannst Philippe Pencet über die Musikschule Hochschwarzwald erreichen und mit mir einen Termin für eine kostenlose Schnupperstunde vereinbaren


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