Viele Kinder und auch Erwachsene beginnen voller Begeisterung ein Instrument zu lernen. Doch nach einigen Wochen taucht oft eine Hürde auf: das Notenlesen.
Manche Schüler verstehen es sofort. Andere kämpfen monatelang damit.
Das ist völlig normal. Denn Notenlesen ist eigentlich eine sehr komplexe Fähigkeit. Das Gehirn muss gleichzeitig mehrere Dinge tun:
- ein Symbol sehen
- es in einen Ton übersetzen
- die richtige Stelle auf dem Instrument finden
- und dazu noch den Rhythmus spielen
Gerade bei der Gitarre kommt noch eine Besonderheit hinzu: Ein Ton kann an mehreren Stellen gespielt werden.
Kein Wunder also, dass manche Schüler zunächst unsicher sind.
Die gute Nachricht: Mit der richtigen Herangehensweise kann fast jeder Mensch Noten lesen lernen.
Verschiedene Lerntypen beim Notenlesen
In meinem Unterricht beobachte ich immer wieder, dass Schüler auf ganz unterschiedliche Weise lernen. Man kann grob drei Typen unterscheiden.
1. Der visuelle Lerntyp
Diese Schüler lernen stark über das Auge.
Sie merken sich schnell:
- die Form der Noten
- die Position auf dem Notensystem
- Muster im Notentext
Solche Schüler lesen Noten oft relativ schnell, brauchen aber manchmal etwas länger, bis die Bewegungen auf dem Instrument sicher sind.
2. Der auditive Lerntyp
Diese Schüler lernen hauptsächlich über das Hören.
Sie merken sich Melodien sofort und spielen sie oft aus dem Gedächtnis nach.
Manchmal wirken sie beim Notenlesen langsamer, weil sie zuerst innerlich hören möchten, wie die Musik klingt.
Für diesen Typ hilft es sehr, wenn man Melodien zuerst vorsingt oder vorspielt.
3. Der motorische Lerntyp
Dieser Typ lernt über Bewegung und Gefühl.
Der Schüler merkt sich:
- Griffbilder
- Bewegungsabläufe
- Handpositionen
Solche Schüler spielen oft sehr natürlich, brauchen aber manchmal etwas länger, um die Verbindung zwischen Notensymbol und Bewegung herzustellen.
Warum Notenlesen manchmal schwierig ist
Es gibt mehrere typische Gründe.
Zu viele Informationen auf einmal
Der Schüler versucht gleichzeitig:
- Tonhöhe
- Rhythmus
- Finger
- Saiten
- Takt
zu beachten.
Das überfordert das Gehirn.
Fehlende Orientierung auf dem Instrument
Wenn ein Schüler nicht genau weiß, wo bestimmte Töne auf der Gitarre liegen, wird jedes Notenlesen zu einer Art Rätsel.
Darum sind Orientierungstöne sehr wichtig.
Zum Beispiel:
- leere E-Saite
- G auf der dritten Saite
- C auf der zweiten Saite
Von diesen Punkten aus kann man sich leichter bewegen.
Zu schwierige Stücke
Das ist einer der häufigsten Fehler.
Wenn ein Stück technisch oder rhythmisch zu kompliziert ist, bleibt keine Energie mehr für das Lesen.
Übungen, die beim Notenlesen wirklich helfen
Hier sind einige Methoden, die sich im Unterricht sehr bewährt haben.
1. Kleine Einheiten lesen
Statt ein ganzes Stück zu betrachten, liest der Schüler nur:
- zwei Noten
- dann vier Noten
- dann einen Takt
Das Gehirn kann diese Informationen viel leichter verarbeiten.
2. Melodie zuerst hören
Eine sehr wirkungsvolle Methode ist:
- Der Lehrer spielt eine kurze Phrase.
- Der Schüler hört zu.
- Danach wird die gleiche Stelle in den Noten betrachtet.
Der Schüler erkennt:
Die Noten sind nur eine Beschreibung der Musik.
3. Intervall statt Einzelnoten lesen
Fortgeschrittene Musiker lesen selten einzelne Notennamen.
Sie erkennen Bewegungen:
- Schritt nach oben
- Schritt nach unten
- Sprung
- gleiche Note
Wenn Schüler lernen, diese Bewegungen zu sehen, wird das Lesen viel schneller.
4. Rhythmus ohne Instrument üben
Sehr oft liegt die Schwierigkeit nicht bei den Tonhöhen, sondern beim Rhythmus.
Darum üben wir manchmal zuerst:
- klatschen
- sprechen
- gehen im Rhythmus
Wenn der Rhythmus im Körper sitzt, wird das Spielen deutlich leichter.
5. Singen beim Spielen
Eine der wirkungsvollsten Methoden ist das Singen der Melodie.
Der Schüler verbindet dadurch:
- Ohr
- Auge
- Bewegung
Selbst einfache Silben wie „la la la“ können dabei helfen.
Geduld ist ein wichtiger Teil des Lernprozesses
Notenlesen ist vergleichbar mit dem Lesen einer neuen Sprache.
Am Anfang liest man langsam und Buchstabe für Buchstabe.
Mit der Zeit erkennt das Gehirn immer größere Muster.
Nach einigen Monaten geschieht etwas Interessantes:
Die Noten werden plötzlich viel schneller erkannt.
Dieser Moment kommt bei fast jedem Schüler.
Musik verstehen statt nur Zeichen lesen
Das eigentliche Ziel ist nicht nur, Noten zu entziffern.
Wichtiger ist, dass Schüler verstehen:
- wie sich eine Melodie bewegt
- wie Rhythmus funktioniert
- wie Musik klingt
Wenn Ohr, Auge und Bewegung zusammenarbeiten, wird das Notenlesen zu etwas ganz Natürliches.
Gitarrenunterricht im Hochschwarzwald
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Im Unterricht arbeiten wir mit einer ruhigen, verständlichen Methode, bei der jeder Schüler in seinem eigenen Tempo lernen darf.
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